Vojtatherapie

Was ist das Vojta Prinzip?

Das Vojta-Prinzip wurde von dem Tschechischen Kinderarzt Prof. Dr. Vaclav Vojta († 1990) und der Kinder-physiotherapeutin Dorothea Wassermeyer († 2008) im Kinderzentrum München entdeckt und entwickelt.

Das Diagnotik- und Therapieverfahren gilt als eines der wichtigsten physiotherapeutischen Diagnostik Therapieverfahren bei Säuglingen und Kindern mit Zerberalen Bewegungsstörungen und Verzögerungen motorischen Entwicklung. Das Prinzip ist wissenschaftlich fundiert und international anerkannt.

Motorische Entwicklungsverzögerungen sollten möglichst frühzeitig behandelt werden, da sonst die gesamte (auch kognitive) Entwicklung des Kindes gefährdet ist. Deswegen werden meist schon Säuglinge mit diesem Verfahren untersucht und bei Bedarf behandelt.

Frühdiagnostik bei Säuglingen
Die Frühdiagnostik ermöglicht eine objektive Beurteilung des motorischen Entwicklungalters durch die sogenannten Lagereaktionen. Diese geben Auskunft über die Fähigkeit des Kindes normale Bewegungsmuster symmetrisch durchzuführen.
Wenn Säuglinge die motorischen und sprachlichen Meilensteine zeitgerecht erreichen, wird zunächst davon ausgegangen dass die Entwicklung des Kindes gesund ist.

Die Frühdiagnostik nach Vojta wird heutzutage angewandt, um frühzeitig motorische Fehlentwicklungen zu erkennen und ein Kind möglichst früh (innerhalb der ersten 6 Lebensmonate) einer geeigneten Therapie zuführen zu können, da eine rechtzeitige Behandlung der Manifestation "falscher Bewegungsabläufe" entgegenwirkt und die besten Heilungschancen gewährleistet.
Vojtatherapie

Wie funktioniert die Therapie?

Nach eingehender Untersuchung und Bestimmung des motorischen Entwicklungsalters durch den Kinderarzt und Therapeuten werden Behandlungsziele erörtert.

Die Methode
Die sogenannte "Reflexfortbewegung" oder "Reflexlokomotion" wird aus drei Ausgangsstellungen (Bauch-, Rücken- und Seitenlage) aktiviert. Zur Auslösung der Bewegungsmuster stehen zehn – von Vojta beschriebenen – Zonen am Körper sowie an den Armen und Beinen zur Verfügung. Durch Kombination verschiedener Zonen und Wechsel von Druck und Zug werden Bewegungsmuster aktiviert die eine normale motorische Entwicklung begünstigen.

Der Therapeut gibt an bestimmten Stellen einen Widerstand, und unterstützt dadurch eine (isometrische) Spannungszunahme und gezielte Kräftigung spezifischer Muskulatur. Aber auch die Muskelaktivitäten der weiter entfernten Körperteile (Bauch, Rücken, Arme, Beine) werden hierdurch verstärkt.

Aus verschiedenen Ausgangsstellungen heraus werden durch gezieltes drücken von vorgegebenen Reflexpunkten bestimmte Bewegungsmuster ausgelöst. Das Auslösen von Bewegungsmustern (Reflexlokomotion) ermöglicht dem Gehirn des Kindes eine normale Bewegung und normale Muskelspannung zu erfahren und dadurch nicht normale Bewegungsmuster zu "über-lernen".

Diese "normalen" Bewegungsmuster müssen durch die Eltern nach Anleitung zu Hause häufig geübt und wiederholt werden. Sie sind für das betroffene Kind sehr anstrengend.

Säuglinge schreien normalerweise bei der Therapie, weil Kinder erst ab 2 Jahren in der Lage sind Anstrengung vom Schreien zu trennen – ähnlich wie Erwachsene, die beim Stemmen eines schweren Gegenstandes stöhnen (Fitness-Studio usw.)

Die Vojta-Therapie ermöglicht die Durchführung von Bewegungsabläufen und eine starke Muskelanspannung. Sie kann nicht nur bei globalen Bewegungsstörungen eingesetzt werden, sondern auch zur Kräftigung gezielter Muskelgruppen engesetzt werden, z.B. nach einem Unfall, bei Skoliose, u.s.w..

Wann ist Vojta-Therapie sinnvoll?

Es gibt verschiedene Symptome, aber auch konkrete Diagnosen, die besonders erfolgsversprechend mit der Vojta-Therapie zu behandeln sind:
  • Muskelverspannungen / Muskelschwäche Lähmung, Kraftverlust nach Unfall
  • Haltungsschwäche, Skoliose
  • Zerebrale Bewegungsstörung mit Hyper- oder Hypotonus, Spastik
  • Spina Bifida
  • Lähmungen nach Hirnblutung, nach Operationen, bei neurologischen Erkrankungen

Therapiekonzept

Zur Ausübung der Vojta-Therapie ist eine berufsbegleitende Weiterbildung mit anschließender Zertifizierung durch die Internationale Vojta Gesellschaft e.V. erforderlich.

Die Fortlaufende Qualitätssicherung wird vom Praxisteam durch Fortbildungen und Patientenvorstellungen bzw. Supervisionen im Kinderzentrum München gewährleistet.

Vojta-Therapie wird in Einzelstunden von ca. 30 Minuten durchgeführt. Die Therapeutin kann sich auf die spezifischen Bedürfnisse des Kindes einstellen und die Therapie genau auf dessen Bedarf abstimmen. Konkrete Ziele und Absichten werden nach der Eingangdiagnostik mit den Eltern festgelegt und in kurzen regelmäßigen Abständen überprüft und neu definiert, je nach Entwicklungsstand des Kindes.

Erfolgsaussichten

Der Erfolg der Therapie hängt von verschiedenen Faktoren ab. Schweregrad der Bewegungsstörung, der oft erst ab dem 6. Lebensmonat erkennbar ist, sowie Allgemeinbefinden des Kindes, Alter des Kindes und familiäre Bedingungen sind von Bedeutung. Meist kann die Situation des Kindes bei konsequenter und genauer Durchführung der Übungen rasch verbessert werden. Voraussetzung hierfür ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Therapeut und Bezugpersonen des Kindes.
 
Praxis für Kinder und Jugendliche, Bahnhofstrasse 17, 82377 Penzberg, Telefon: 0 88 56/9 36 52 51